Wohngruppe 1
Doppeldiagnose Psychose und Sucht
Die Wohngruppe 1 des GPZE richtet sich an Menschen, bei denen neben einer psychischen Störung eine Suchtmittelproblematik besteht.
Aufgrund der besonderen Verstrickungen der beiden Problembereiche, behandeln wir diese Bewohner in einer eigenen Gruppe.
Wir verstehen die Doppeldiagnose Psychose und Sucht als ein Spezialfall von Komorbidität, der das zeitliche Zusammentreffen eines Missbrauchs bzw. einer Abhängigkeit von einer oder mehreren psychotropen Substanzen und einer anderen psychischen Störung (z.B. Schizophrenie, Depression) beschreibt.
Nach jüngeren Forschungsergebnissen kann davon ausgegangen werden, dass ca. ein Drittel der Klienten in psychiatrischen Einrichtungen neben der primär diagnostizierten psychiatrischen Erkrankung ein (meist substanzgebundenes) Suchtverhalten hat.
Wir verstehen die Doppeldiagnoseproblematik als Kompromisslösung des Patienten in seinen Bewältigungsversuchen gegenüber der Erkrankung. Vor dem Hintergrund eines die psychische Erkrankung bedingenden grundlegenden intrapsychischen Konfliktes erscheint das Suchtmittel (stoffgebundene und nicht-stoffgebundene Süchte) als jederzeit verfügbares Übergangsobjekt.
Voraussetzung für die Aufnahme in die Wohngruppe 1 ist die erkennbare Motivation, den Suchtmittelmissbrauch zu beenden und andere Konflikt- und Krisenbewältigungsstrategien zu erlernen.
Eine dreimonatige Abstinenzzeit vor der Aufnahme ist daher eine Aufnahmebedingung.
Indem alle Bewohner mit zusätzlicher Suchtmittelproblematik in einer Wohngruppe zusammengefasst werden, entsteht ein homogenes Lernmilieu. Die Suchtproblematik betrachten wir nicht als isoliertes Problem, sondern als eine "Suchtstruktur", die alle Lebensbereiche der betroffenen Personen durchzieht. Im gemeinsamen Alltag wird das Suchtverhalten sichtbar und ansprechbar.
Während der gesamten Dauer des GPZE-Aufenthalts besteht ein generelles Verbot, Alkohol und illegale Drogen zu konsumieren, wodurch eine abstinente Atmosphäre gewährleistet wird. Bei wiederholten Rückfällen während der Behandlungszeit erfolgt eine Entlassung.
Mitarbeiter der Wohngruppe 1
Das Mitarbeiterteam der Wohngruppe 1 besteht aus:
1 Fachkrankenschwester
1 Diplompsychologen
1 Ergotherapeuten
1 Sozialpädagogin
und ggf. Berufspraktikanten
Räumlich -sachliche Ausstattung
Es stehen 7 Einzelzimmer, 2 Doppelzimmer und eine Appartementwohnung in der Hochallee 15 zur Verfügung, alle Zimmer sind mit Bett, Nachttisch, Tisch, Stühlen und einem Schrank möbliert. In jedem Zimmer ist ein Waschbecken vorhanden.
Nach Absprache ist es möglich, eigene Möbel mitzubringen.
Sanitäre Anlagen (Toiletten, Duschen, Bäder) getrennt für Männer und Frauen befinden sich in jedem Stockwerk.
Eine große Gemeinschaftsküche wird auch als Essraum und Teeküche genutzt. Im Kühl- und Gefrierschrank können private Lebensmittel gelagert werden.
Ein Gruppenraum mit Fernseher und Videogerät steht zur Verfügung.
Therapeutische Umsetzung
Die Problematik der Doppeldiagnose Psychose und Sucht macht es notwendig, eine integrative psychoseorientierte und eine konfrontative suchtorientierte Arbeit zu verbinden. Im Bezugstherapeutensystem arbeiten wir eher bedarfsorientiert und individuell mit den Bewohnern, andererseits bieten wir verbale und nonverbale Gruppentherapien an. Die Teilnahme an diesen Programmen ist verpflichtend.
Diese Angebote dienen als Strukturvorgabe. Sie vermitteln eine Orientierung und haben eine Hilfs-Ich-Funktion für die unter strukturellen Defiziten und Instabilität leidenden Bewohnern.
Das Kernprogramm der WG 1 vernetzt sich auf den jeweils individuellen Bedarf der Bewohner orientiert mit den übergreifenden Angeboten. Der Kontakt und die Auseinandersetzung mit Bewohnern aus anderen Gruppen, in denen teils andere Regeln herrschen, fordern die Bewohner der WG I in ihrer Auseinandersetzung mit der Realität und fördern im geschützten Rahmen ihre Konfliktfähigkeit, ohne dass die Klienten dabei auf alte Bewältigungsmuster zurückgreifen müssen.
Mit jedem Bewohner wird ein individueller Therapieplan bestehend aus Kernangeboten und übergreifenden Programmen erarbeitet, der in regelmäßig stattfindenden Verlaufsgesprächen (3-4 Monate) überprüft wird.
Zeiten ohne Programmvorgabe unter der Woche und die Wochenenden sollen eigenverantwortlich gestaltet werden und sind dafür da, die Anregungen aus der Rehabilitation aufzugreifen und zu integrieren.
Therapeutische Angebote
Gesprächsgruppen: Dreimal wöchentlich finden Gesprächsgruppen statt, in denen das individuelle Befinden und die Realitätseinbindung der Selbstwahrnehmung sowie Erfahrungen der Teilnehmer thematisiert werden. Wir gehen davon aus, dass sich intrapsychische Konfliktmuster in zwischenmenschlichen Kontakten abbilden, weswegen sie in der therapeutischen Gruppe gut bearbeitet werden können. Neben den Therapeuten können die anderen Gruppenmitglieder als Spiegel und Korrektiv dienen.
Zwei dieser Gruppen finden jeweils am Wochenanfang und -ende statt. Eine Gruppe wird auch zur Verteilung der hauswirtschaftlichen Dienste genutzt.
In der "Suchtgruppe" steht die Suchtstruktur im Zentrum. Die Auseinandersetzung wird durch eine offene und stützende Gruppenatmosphäre enttabuisiert, so dass auch Bewohner profitieren können, die ihre eigene Suchtstruktur nur bedingt akzeptieren können. Die Bewohner bringen ihr Expertenwissen ein, um Leugnungen und Banalisierungen von Suchtmittelkonsum und Suchtverhalten zu identifizieren. Alternative Handlungsmöglichkeiten zur Sucht können erfahren und erprobt werden.
Rückfälle in alte Suchtstrukturen werden in den regelmäßigen Gruppenterminen und Krisensitzungen mit der Gruppe detailanalytisch thematisiert. Das therapeutische Abstinenzgebot unterstützt die Bemühungen um Suchtmittelfreiheit. Bei wiederholten Verstößen gegen das Abstinenzgebot kündigen wir den Behandlungsvertrag mit dem Bewohner und entlassen ihn. Allerdings werden die begleitenden Umstände des Substanzmissbrauchs, etwa eine akute Psychose, erwogen und berücksichtigt.
Einzelgespräche:
Der Bezugstherapeut führt mit den Bewohnern für die er zuständig ist wöchentlich Einzelgespräche und ist der Ansprechpartner bei Konflikten, bei Planung des therapeutischen Prozesses, bei Krisen und der Begleitung bei Behörden- oder Arztkontakten etc.
Nach Wunsch und Bedarf werden Familiengespräche oder Paargespräche angeboten.
Versorgung, Hauswirtschaft:
Diese Aufgaben werden von den Bewohnern unter Anleitung selbständig verrichtet. Dazu gehören Einkaufs- und Kochplanung, Kochen für die Gruppe, Reinigungsarbeiten in den gemeinschaftlich genutzten wie in den eigenen Räumen. Die Teilnahme an den gemeinsamen Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendbrot) ist verbindlich.
Ergotherapeutische Angebote:
In der Doppeldiagnosegruppe wird eine suchtspezifische Ergotherapie angeboten, in der die Verbindung der Bereiche Psychose und Sucht auch nonverbal thematisiert und bearbeitet wird. Das Angebot richtet sich u. a. nach Interesse und Fähigkeiten der Teilnehmer. Schwerpunkte liegen hier in der Thematisierung des Selbstbildes und der sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Kreative Ideen werden umgesetzt, Fähigkeiten werden wiederentdeckt und Interessen ggf. neu entwickelt.
Laufgruppe:
Zweimal wöchentlich findet zur Aktivierung eine Laufgruppe statt, in der die Klienten ihre teilweise verschütteten Fähigkeiten und den Bezug zum eigenen Körper wiederentdecken und sich selbst neu erleben können. Die Funktion der Aktivierung steht dabei deutlich im Vordergrund. Gleichzeitig soll das Angebot Zusammenhänge zwischen Körpergefühl und seelischer Befindlichkeit bewusst machen und auch krankheitsbedingter Anhedonie und medikamentös bedingter Gewichtszunahme entgegenwirken.
Das Angebot versteht sich als gruppenbezogene Ergänzung zum übergreifenden Therapieprogramm im Bereich der Körperwahrnehmung und Bewegung.
Gemeinschaftliche Unternehmungen / Sozialtherapeutische Gruppenmaßnahmen:
Zur Förderung und Entwicklung von Kompetenzen in der Freizeitgestaltung planen wir im Rahmen der wöchentlichen Außenaktivitäten gemeinsame Unternehmungen. Mehrfach im Jahr finden Tagesausflüge zu unterschiedlichen Zielen statt. Eine einwöchige therapeutische Gruppenreise ist verpflichtender Bestandteil des Programms.
