Unsere Mitarbeiter
Die Arbeit im GPZE findet in multiprofessionellen Teams statt. In den einzelnen Gruppen arbeiten jeweils Psychologinnen / Psychologen, Ergotherapeutinnen / Ergotherapeuten, Sozialpädagoginnen / Sozialpädagogen, Fachkrankenpflegern und Fachkrankenschwestern zusammen. Das multiprofessionelle Team hat den Vorteil, dass der Austausch über unterschiedliches Fachwissen ein breites Spektrum an Interventionsmöglichkeiten bietet, welches die Qualität und die Effektivität der Arbeit steigert.
Unsere Überzeugung
Unser sozialpsychiatrisches Krankheits- und Rehabilitationsverständnis
Wir teilen das Vulnerabilitäts-Stress-Modell, nach dem psychische Störungen sowohl durch angeborene Dispositionen, erworbene körperliche Einschränkungen wie durch biographische Lernfaktoren und akute Stressoren bedingt sind. Für unsere Praxis steht im Vordergrund, psychische Störungen als Reaktionen auf unerträgliche Lebenssituationen zu verstehen. Symptome psychischer Störungen sind kreative Bewältigungsversuche solcher Situationen. Wenn die Verständigung mit den Mitmenschen überhaupt nicht mehr gelingt und innere Konflikte unlösbar scheinen, sorgt der Ausbruch einer psychischen Krise dafür, dass der Betroffene aus der Belastungssituation hinaustritt. Wie sich der Betroffene in der akuten psychischen Krise verhält, bleibt gleichwohl verstehbar. Auch psychisch krankes Verhalten und Erleben liegt auf dem Kontinuum allgemeinmenschlichen Verhaltens. Ihren spezifischen Sinn erhält das symptomhafte Verhalten, wenn wir nachvollziehen können, in welcher Weise es den Betroffenen in seiner kritischen Lebenssituation entlastet. Die Entlastung mag z. B. darin bestehen, dass eine unerträgliche Einsamkeit durch die Gesellschaft halluzinierter Stimmen durchbrochen wird, dass Affekte, die bislang unterdrückt und diffamiert waren, endlich einen Ausdruck finden oder dass die Einweisung auf eine psychiatrische Station bewirkt, dass der Betroffene aus einer belastenden Lebenssituation raus kommt. Diese Zusammenhänge sind sehr individuell und müssen in jedem Einzelfall sorgsam rekonstruiert werden.
Außerhalb der belastenden Lebensumstände, die eine Krise ausgelöst haben, erweist sich allerdings, dass die Krankheit als Bewältigungsstrategie nicht gut funktioniert. Im Gegenteil entstehen durch die psychische Störung neue Probleme und die individuelle Entwicklung wird behindert. Die Erkrankung ist meistens mit Isolation, Angst und Verlusten verbunden. Die Betroffenen fallen aus der gesellschaftlichen Normalität heraus. Dies führt häufig zu einem Teufelskreis. Die negativen Folgen der Erkrankung sind für die Betroffenen selbst wiederum so belastend, dass sie auch nicht ertragen werden können, was zu erneuten Dekompensationen führen kann. So entsteht der bekannte „Drehtüreffekt“ mit der Abfolge von Krise, Psychiatrie, Entlassung, Krise, Psychiatrie u. s. w.
Aus diesem Verständnis psychischer Störungen folgt für unser Rehabilitationskonzept, den Betroffenen im GPZE eine Alltagsumwelt zu bieten, die gut zu bewältigen, unterstützend und zuverlässig ist. Dazu bedarf es zugewandter, respektvoller und klarer Umgangsformen von Seiten der Mitarbeiter. Es liegt in unserer Verantwortung, im GPZE ein Milieu zu fördern, in dem die Klienten ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl erleben können. Unser Rehabilitationsangebot soll einen Orientierung stiftenden, strukturierenden und haltenden Rahmen bieten, der den individuellen Bedürfnissen entgegenkommt.
In diesem geschützten Rahmen gilt es, im Einzel- wie im Gruppensetting, tragfähige Arbeitsbeziehungen aufzubauen. Mit dem Bezugstherapeuten wird ein ausgewogener Rehabilitationsplan entwickelt und fortgeschrieben. Dieser soll einen gelungenen Kompromiss bilden zwischen dem individuellen Bedürfnis nach Schutz und Schonung einerseits und dem Wunsch nach Weiterentwicklung und Herausforderung andererseits.
Auf der Grundlage einer gefestigten Arbeitsbeziehung versuchen wir mit dem Klienten zu verstehen, welchen Sinn seine individuelle Störung hat. Diese Verstehensarbeit konzentriert sich nicht in erster Linie auf die Biographie. Die Arbeit findet im Hier und Jetzt des interaktionellen Prozesses des Klienten in der Gruppe und mit den Mitarbeitern statt. In diesem Prozess bildet sich die mitgebrachte Struktur ab und hier kann sie anhand der konkreten Interaktionserfahrungen sehr gut nachvollzogen werden. In diesem Kontext können die Klienten wieder Zugang zu ihren Gefühlen, Wünschen und Fähigkeiten finden. Häufig genug entpuppen sich dann gerade die Störungssymptome als verschüttete und entstellte Ressourcen.
Dabei ist es unser Anspruch, praktische Kompetenzen für die erfolgreiche Lebensgestaltung zu vermitteln. Im Zentrum stehen die sozialen Kompetenzen wie Selbst- und Fremdwahrnehmung, Kontaktaufnahme, Kontaktpflege, Abgrenzung und Konfliktmanagement.
Ebenso wichtig sind die Bereiche der Selbstversorgung, der Haushaltsführung, Regelung behördlicher Angelegenheiten, Gesundheitsfürsorge und Freizeitgestaltung.
Im Fortgang der Rehabilitation ist es schließlich das Ziel, gemeinsam Zukunftsperspektiven zu entwickeln und angemessene Schritte zu deren Umsetzung zu finden. Dies umfasst Fragen der Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, der angestrebten Wohnform sowie der Gesundheitspflege.
Da wir überzeugt sind, dass sich diese Inhalte am besten über verschiedene Erfahrungsmodi vermitteln lassen, sind wir überzeugte Vertreter eines multiprofessionellen Ansatzes. Durch die gleichberechtigte Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen können wir für die Klienten ein vielfältig differenziertes Rehabilitationsangebot vorhalten. Zugleich gewinnen wir durch den interprofessionellen Austausch einen facettenreicheren Zugang zu den Klienten.
